Cargokommunismus

Goodbye Lenin!Unter „Cargo-kulten“* versteht man einige apokalyptische Religionen, die sich u.a. im melanesischen Raum um das wundersame Frachtgut entwickelten, das die europäischen Kolonialisten dort zurückließen. Die Zauberdinge wurden verehrt, ihre Benutzung nachgeahmt. Die Gläubigen leben in der Hoffnung auf die Wiederkehr der Kolonialisten oder der eigenen Ahnen, die sie durch symbolische Ersatzhandlungen herbeizuführen suchten.
So verkündete etwa im Nordamerika des neunzehnten Jahrhunderts ein indigener Prophet, dass durch eine bestimmte Art des Tanzes die Vorfahren auf Gleisen zurückkehren würden und eine neue Erde die Weißen verschlingen werde. Und noch Heute schnitzen manche Ureinwohner Amazoniens hölzerne Kassettenrecorder, mit denen sie zu den Geistern in Verbindung treten…

must crash capitalism

Mit den Überbleibseln der Arbeiterbewegung verhält es sich ähnlich. Auf den Gewerkschaftsdemonstrationen zum „Tag der Arbeit“, in den Flugblättern der Trotzkisten und hinter der ML-Rhetorik vom bevorstehenden Morgenrot – überall liegt der Gestank eines negativen Anachronismus in der Luft. All die scheinbar radikalen Gesten werden unreflektiert mitgeschleppt, auf das sich die Leiche der Arbeiterbewegung eines Tages erhebe und endlich – wie versprochen – die Ketten des Proletariats verreiße. Auf das Karl Marx persönlich zurückkehre und seinen Geisteskindern erkläre, wie mit dem Cargo umzugehen sei…

Der erste Schritt zu einer neuen radikalen Praxis läge in der Verinnerlichung der Einsicht, wie unbrauchbar diese blinde Brauchtumspflege ist.

*: Der Begriff der Cargo-Kulte ist untrennbar mit einer rassistischen und kolonialistischen Sichtweise verbunden. Wenn wir von Cargo-KommunistInnen sprechen, wollen wir damit gerade deutlich machen, wie sehr die „westlichen“ Gesellschaften und ihre Individuen von einem Irrationalismus geprägt sind, den sie sich nicht eingestehen, aber umso lieber an Anderen entdecken wollen.

Ein Kommentar zu Cargokommunismus

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